Ozon: Die biologische Antwort auf das orofaziale/systemische Infektionsproblem
Das Zentrum für fortgeschrittene zahnmedizinische Disziplinen
Robert E. Harris, Jr. DMD
E. Griffin Cole, DDS
ABSTRACT
Die Sauerstoff-/Ozontherapie in der Zahnmedizin ist eine aufstrebende Technologie, die den aktuellen Pflegestandard in der Zahnmedizin in verschiedenen praktischen Anwendungen verbessern wird. Die aktuelle Herausforderung für die Zahnmedizin ist die zunehmende Erkenntnis des Ursache-Wirkungs-Zusammenhangs orofazialer Infektionen mit schwerwiegenden systemischen Infektionen, die zur Funktionsstörung des menschlichen Immunsystems beitragen können.1
„Die Zusammenarbeit zwischen Zahnärzten, die sich mit der Mund- und Systemgesundheit befassen, und medizinischen Anbietern, die verstehen, dass hochriskante parodontale Krankheitserreger die Ursache für Arterienerkrankungen sind, ist für die Herzinfarkt- und Schlaganfallprävention von entscheidender Bedeutung. Arterielle Entzündungen aufgrund hochriskanter parodontaler Krankheitserreger sind ein potenziell tödliches medizinisches Problem, und die Lösung liegt in den Händen der Zahnärzte.“
Bradley Bale, MD
AGD Impact Februar 2018
In diesem Artikel wird der ordnungsgemäße professionelle Einsatz von ozonisiertem Wasser und Sauerstoff/Ozongas als Behandlungsmodalitäten für orofaziale Infektionen erörtert, die zu oral-systemischen Gesundheitsproblemen führen können.
EINFÜHRUNG
Die desinfizierenden Eigenschaften von Ozon wurden erstmals in den 1850er Jahren in Deutschland von Werner von Siemens dokumentiert. Der erste aufgezeichnete Einsatz von Sauerstoff/Ozon in einer Zahnarztpraxis erfolgte 1932.1 in der Zahnarztpraxis von Dr. EA Fisch.XNUMX
Bis zur Einführung der Antibiotikatherapie gehörte die Sauerstoff-/Ozontherapie zu den Mitteln der Wahl bei Infektionen. Antibiotika wurden aufgrund ihrer Portabilität und Haltbarkeit zur Behandlung der Wahl bei bakteriellen Infektionen. Im Gegensatz dazu muss Sauerstoff/Ozon von einem medizinischen/zahnmedizinischen Ozongenerator erzeugt werden, der ausschließlich medizinischen Sauerstoff verwendet, und aufgrund seiner kurzen Haltbarkeit schnell verbraucht werden. 2
Zu den orofazialen Infektionen gehören:
- Zahnkaries 3,4
- Parodontale Infektionen 4,5,22,23
- Endodontische Infektionen 6,7
- Osteonekrotische/alveoläre Osteitis-Infektionen 8,9
- Bisphosphonatbedingte osteonekrotische Infektionen 10
- Postoperative Weichteilinfektionen 4
- Periimplantitis 11
Die primäre Ursache einer orofazialen Infektion kann bakteriell sein, ist jedoch in der Regel nicht ausschließlich bakteriellen Ursprungs. Die häufigere Ursache ist eine Kombination aus Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten. Diese Mischinfektionen bilden einen „Biofilm“24,25 auf der betroffenen Stelle und zeigen, wenn sie als „Biofilm“ vorliegen, eine erhöhte Resistenz gegenüber einer Antibiotikatherapie. Das Journal der American Dental Association, Bd. In 140, Nr. 8, 978-986 heißt es: „Parodontitis ist wie andere Biofilminfektionen resistent gegen Antibiotika und Wirtsabwehr, da die verursachenden Mikroben in komplexen Gemeinschaften leben, die trotz Herausforderungen, die von gezielten Antibiotika bis hin zur Phagozytose reichen, bestehen bleiben.“ Der Artikel kam zu dem Schluss, dass „die regelmäßige Verabreichung nicht gezielter Antibiofilm-Wirkstoffe eine wirksame Strategie zur Behandlung von Biofilmen sein kann, insbesondere wenn diese Wirkstoffe oxidative Wirkstoffe enthalten, die die „Biofilm-Matrix“ auflösen.“ Zu den Oxidationsmitteln zählen Ozon, Wasserstoffperoxid, Chlor, Chlordioxid und Jodlösungen. 12,13,14
Bei der Herstellung von ozonisiertem Wasser und Sauerstoff/Ozongas zur Behandlung orofazialer Infektionen müssen mehrere kritische Faktoren beachtet werden.
- Das für orofaziale Eingriffe verwendete Ozonmolekül muss aus einer reinen Sauerstoffquelle medizinischer Qualität hergestellt werden, die sowohl die Quelle des Ozonmoleküls als auch das Lösungsmittel für die Abgabe des Ozongases ist. Die Verwendung von Umgebungsluft zur Herstellung von medizinischem/zahnmedizinischem Ozon ist völlig inakzeptabel.15
- Ozon ist ein starkes Oxidationsmittel. Gesunde menschliche Zellen verfügen in ihren Zellmembranen über ausreichend endogene antioxidative Enzyme, um sie vor Ozon zu schützen. Mikrobielle Zellmembranen enthalten keine ausreichenden Mengen an Antioxidantien zum Schutz vor Ozon. 16,17
- Der Ozongenerator muss aus zugelassenen ozonbeständigen Materialien hergestellt sein. d. h. Glas, PTFE, Silikon usw. 15
- Der Ozongenerator muss so hergestellt sein, dass er sicher Sauerstoff/Ozongas für den zahnärztlichen Gebrauch erzeugt. 15
- Das gesamte überschüssige Ozon muss durch einen Katalysator wieder in Sauerstoff umgewandelt werden, um Augen- und Lungenreizungen zu vermeiden. Aktivkohle ist für diese Anwendung nicht geeignet. 15
- Die für therapeutische Zwecke verwendete Ozonmenge liegt in einem Bereich von 95–99.95 % Sauerstoff bis 0.05–5 % Ozon 15,20
Durch die Einhaltung der richtigen Richtlinien zur Ozonproduktion und die Verwendung spezifischer Behandlungsprotokolle, die von deutschen, italienischen, russischen und kubanischen Ärzten entwickelt und von amerikanischen Ärzten für die praktische Patientenversorgung verfeinert wurden, kann Ozon in therapeutischen Dosen an die orofazialen Strukturen abgegeben werden. Der Biofilm wird oxidiert und die damit verbundenen Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten werden zerstört, da ihnen in ihren Zellmembranen ausreichend antioxidative Enzyme fehlen. 16,17 Mit Ausnahme der Augen und der Lunge werden alle menschlichen Zellen durch endogene antioxidative Enzyme in ihren Zellmembranen vor Ozonoxidation geschützt.
KLINISCHE ANWENDUNGEN
A. Ozonisiertes Wasser wird verwendet, um Aerosolkontaminationen in der Zahnarztpraxis zu beseitigen, indem es wie folgt verwendet wird: 21
- Eine Patientenspülung vor der Behandlung
- In der Behandlungseinheit sind Wasserflaschen vorhanden
- In Ultraschall- und Piezoscalern
- In Spülspritzen
- Als Desinfektionsmittel für harte Oberflächen
Die mikroskopische Untersuchung parodontaler Taschenflüssigkeit und Gewebeproben vor der Behandlung ergab eine große Anzahl verschiedener Mikroben. Nach der Behandlung mit ozonisiertem Wasser und Sauerstoff/Ozongas wurde die Mikrobenpopulation eliminiert. Ozonisiertes Wasser wird auch zur Spülung des gesamten Zahngewebes bei operativen zahnmedizinischen Eingriffen, endodontischen Eingriffen und oralchirurgischen Eingriffen verwendet.
B. SAUERSTOFF/OZONGAS WIRD VERWENDET, UM DIE STERILISATION DER GEWEBE ZU VERvollständigen, DURCH SEINE ANWENDUNG AUF:
- Kavitätenpräparationen
- Kronenvorbereitungen
- parodontale Taschen
- Wurzelkanalsystem der Zähne
- orale chirurgische Eingriffe
Das sichtbare Ergebnis der Anwendung auf der Zahnstruktur ist eine offensichtliche Oxidation der organischen Bestandteile des Zahnschmelzes, des Zements, des Dentins und der Dentintubuli. Die Verwendung von Sauerstoff/Ozongas bei den oben genannten Verfahren führte bei dem Patienten zu einer geringen oder keiner postoperativen Empfindlichkeit, wenn das ozonisierte Wasser und das Sauerstoff/Ozongas während der Behandlung ordnungsgemäß angewendet wurden. Einhundert Studien von Lynch et al. al. validierte Kariesumkehr in mehreren Anwendungen. 19
FAZIT
Der Anstieg der Zahl der Patienten mit antibiotikaresistenten Infektionen wie MRSA, VRSA usw. hat dazu geführt, dass die medizinische/zahnärztliche Sauerstoff-/Ozontherapie als sicheres und wirksames Verfahren zur Beseitigung dieser Infektionen wieder zum Vorschein kommt. Die zahnärztliche Sauerstoff-/Ozontherapie dürfte einen bedeutenden Paradigmenwechsel in der Praxis der oralen Systemgesundheit und Zahnmedizin bewirken. Bei richtiger Herstellung und ordnungsgemäßer Verabreichung kann Zahnsauerstoff/Ozon orofaziale Infektionen beseitigen. Diese Therapie wird die Schlüsselkomponente zur Reduzierung schwächender systemischer Infektionen sein, die orofazialen Ursprungs sind.
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